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Das Planetenmodell: Begehen und Begreifen

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..............................................................© Michaela Döpper

Die Durchmesser der Sonne, des Riesenplaneten Jupiter und unserer Erde entsprechen im Planetenmodell Hagen etwa der Größe des Kindes =Sonne (1,4 m), eines Balls = Jupiter (14 cm) und einer 1-Cent Münze = Erde


 

 

Versuch einer Rechtfertigung

"Der Mensch ist das Maß aller Dinge."
(Protagoras, 5. Jahrhundert v. Chr.)

Seitdem es Menschen gibt, versuchen diese mit ihrem Geist die Umwelt, die sie wahrnehmen, zu erklären und zu verstehen. Seit Jahrtausenden entwickeln sie zu diesem Zweck Vorstellungen und Modelle  von der Natur und der Welt. Man kann sich lebhaft vorstellen wie die ersten Steinzeitmenschen nachts vor ihren Höhlen über den Lauf der Gestirne spekuliert haben mögen.

Magie und Mythologie

In den ersten vorgeschichtlichen Vorstellungen wurde alles, was sich ereignete, allgegenwärtigen Geistern und Dämonen zugeschrieben. Diese Naturgeister waren es, die den Regen über die trockenen Felder  schickten und die Pflanzen zum Blühen brachten. Auch heutzutage schreibt man in manchen Kulturkreisen dem Mond oder dem Wind magische Kräfte zu. Nach dem Zeitalter der Magie wurden die allgegenwärtigen Geister und Dämonen mit ihren Zauberkräften zu allmächtigen Göttinnen und Göttern. Es entstanden die ersten Mythen über die  Entstehung der Welt und der in ihr herrschenden Kräfte. Ein Beispiel für eine mythologische Erklärung eines  Naturphänomens ist die alte Idee, dass Donner und Blitz bei einem Gewitter durch Götter entstehen, die in ihren Wagen über den Himmel fahren und ihre Waffen schwingen. Diese Mythen wurden von Generation zu Generation  überliefert und fanden Einzug in unsere Sprache. Der vierte Wochentag, Donnerstag, geht sprachlich auf den hammerschwingenden, nordischen Gott Thor zurück.

Geozentrische Weltbilder

Zwar waren die Götter der mythologischen Weltbilder unerreichbar weit entfernt und allmächtig, dennoch  blieben die Menschen im Zentrum den Universums. Die Götter, so glaubte man, interagierten mit den Menschen, sie dienten ihnen, beschützten sie, rächten und belohnten menschliches Handeln. Unvergesslich und am Himmel in etlichen Sternbildern verewigt sind die Geschichten des Göttervaters Zeus aus der griechischen Mythologie,  der die irdischen Schönheiten zu verführen suchte. In der Mythologie ging es immer um die menschliche Welt und ihre Bewohner. Kurzum, die Erde stand im Mittelpunkt des Universums. Genährt durch die mythologischen Vorstellungen und den Anschein, dass sich Sonne und Gestirne um eine feststehende Erde drehten, war es nicht verwunderlich, dass die ersten wissenschaftlichen Weltbilder des Aristoteles und des Ptolemäus, die Erde ebenfalls zum Zentrum des Universums machten. Man spricht von den geozentrischen Weltbildern.

Moderne Weltbilder

Erst im sechzehnten Jahrhundert setzte sich langsam das kopernikanische Weltbild durch, nach dem die Sonne im Mittelpunkt des Universums stand und die Planeten die Sonne umkreisten. Es ist in unserer Zeit kaum nachzuvollziehen, welch ein riesiger Schritt diese Idee für die damaligen Menschen darstellte: die Erde und damit der Mensch waren nicht mehr der Mittelpunkt der Welt und der göttlichen Schöpfung. Mehr noch: Im Jahr  1610 veröffentlichte der Mathematiker Johannes Kepler die Beobachtung, dass die Bahnen der Planeten keine Kreisbahnen sind, sondern Ellipsen. Seit der Antike galten Kreis und Kugel als die höchsten und perfektesten  aller geometrischen Formen. Keplers Beobachtung bedeutete, der Schöpfer hatte nicht nur die Erde außerhalb des Zentrums des  Weltalls plaziert, sondern auch noch unvollkommen und unpräzise gearbeitet.

Heute glauben wir nicht mehr, dass das Universum ein magischer Bereich ist, in dem sich Geister und Dämonen tummeln, Götter in ihren Wagen über das Himmelsgewölbe donnern oder die Erde im Zentrum des Alls steht. In den Naturwissenschaften ist man zudem skeptisch, ob dem Mensch in den riesigen Weiten des Universums überhaupt eine  zentrale Bedeutung zukommt. Allerdings haben alle geschilderten Theorien zur Erklärung der Welt gemeinsam - und  das gilt von der magischen bis zur naturwissenschaftlichen Theorie -, dass sie allesamt in den Köpfen der Menschen entstanden sind. Das gleiche wird für die künftigen Modelle über das Universum gelten, auch sie werden von der Menschheit erfunden werden. Aus diesem Grund sind alle diese Theorien anthropometrisch, d.h. an den Menschen bemessen. Um ein Beispiel für die Anthropometrie zu geben, kann man daran erinnern, dass  die riesigen und unvorstellbaren Entfernungen im Weltall immer in Relation zur Laufzeit des Lichtes  angegeben werden. Man sagt, dieser oder jener Stern ist so oder so viele Lichtjahre entfernt. Das Phänomen  Licht ist uns allen seit früher Kindheit vertraut. Dass das Licht die größte Geschwindigkeit besitzt, die  möglich ist, lernen wir in der Schule. Ein Jahr ist ein Zeitraum, den man schon als Kind zu überblicken  lernt: Ein Jahr ist der Abstand zwischen zwei Sommern oder zwei Wintern, zwei Geburtstagen, usw. Wenn man also von einem Lichtjahr spricht, so ist dies eben die Entfernung, die das Licht in einem Jahr zurücklegt.  Natürlich kann sich niemand die tatsächliche Weite der Entfernung eines Lichtjahres vorstellen - das sind knapp 10 Billionen Kilometer.

Ein ganz besonderes Beispiel für die Anthropometrie der Theorien über das Weltall ist das Hagener  Planetenmodell. Der Gründer des Planetenmodells, Walter K. B. Holz, wollte die riesigen Entfernungen und  Größenverhältnisse im Weltall anschaulich und - im ursprünglichsten Sinne des Wortes - für den Menschen  begreifbar machen. Dazu mussten die kosmischen Dimensionen in menschlich erfahrbare Größen transformiert  werden.  Holz war weltweit der erste Autor, der die Idee veröffentlichte, die Entfernungen des Sonnensystems in Form  eines begehbaren Modells in die Erfahrungswelt der Menschen zu integrieren. Will man bei der Auswahl des  Maßstabs eines solchen Modells bei ganzzahligen Zehnerpotenzen bleiben, also z.B. 1:1000 oder 1:1000000,  so gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: entweder 1:1 Milliarde oder 1:10 Milliarden. Bei letzterem  wäre die Erde lediglich etwas größer als ein Stecknadelkopf (1,2 mm), weshalb es praktischer ist, den Maßstab 1:1 Milliarde zu wählen. Einem Meter im Modell entsprechen dann 1 Milliarde Meter in der Wirklichkeit, also 1  Million Kilometer. Dadurch musste Holz zwar in Kauf nehmen, dass sich die Plutobahn etwas weiter vom  Modellmittelpunkt entfernte, aber die Größen der Erde und der anderen Planeten lagen im Bereich von Zentimetern.

Durch die Wahl dieses Maßstabes ließ sich das Planetenmodell hervorragend in das Hagener Stadtgebiet  integrieren und steht seitdem inmitten der Erfahrungswelt der Bürger und der Öffentlichkeit. An dem Modell  lassen sich die Größenverhältnisse in unserem Sonnensystem sehr anschaulich illustrieren. So kann man dem Planetenmodell entnehmen, dass bei dem gewählten Maßstab, die Erde gerade mal so groß ist wie ein 1 Cent-Geldstück, der Gasriese Jupiter etwas kleiner als ein (Jugend-)Handball ist und die Sonne einen Durchmesser von 1,4 Metern hat. Gerade für Kinder sind diese Vergleiche sehr eingängig , aber auch für Erwachsene können sie in Bezug auf unsere kosmische Größe recht erhellend sein.

 


Fazit:

Walter K. B. Holz ist es mit dem Hagener Planetenmodell gelungen, die Größenverhältnisse in unserem Sonnensystem in die Erfahrungswelt der Menschen zu bringen. Es ist möglich, das Planetensystem - oder zumindest Teile davon - zu durchwandern und dadurch zu begreifen. Unserer Sonnensystem fügt sich im Hagener Planetenmodell in unsere menschlichen Maßstäbe ein, denn "der Mensch ist das Maß aller Dinge".

(Ralph Brinks)