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Walter K.B. Holz
Als der vielseitig interessierte Stadtarchivar Walter K. B. Holz seine Idee zum Hagener Planetenmodell 1959 erstmals veröffentlichte, stand die gesamte Welt am Anfang des Wettlaufs der beiden Supermächte USA und Sowjetunion um den Vorsprung im Weltall. Die Sowjetunion (UdSSR) hatte gerade zwei Jahre zuvor den ersten künstlichen Erdsatelliten, den Sputnik, erfolgreich um die Erde manövriert, und im selben Jahr 1959 hatte die russische Raumsonde Lunik erstmals in der Geschichte der Menschheit Bilder der Mondrückseite zur Erde gefunkt. Offenbar hatte die UdSSR die Nase vorn, dennoch sollten die großen Errungenschaften der Raumfahrt wie der erste Mensch auf dem Mond und die bemannten Raumstationen noch folgen. Inmitten dieser Zeit der ersten Erfolge der, fragte sich Walter Holz wie er unsere kosmische Nachbarschaft für eine breite Öffentlichkeit begreifbar machen könnte. Zu Beginn des Raumfahrtzeitalters wollte Walter Holz auf pädagogische und aufklärerische Weise ein breites Bewusstsein und Verständnis für die sprichwötlich astronomischen Maßstäbe erzeugen. Der berühmte Astronom und Publizist Prof. Heinz Haber urteilte deshalb 1967: "In diesem Sinne entspricht Ihr Modell etwa einem Globus im Zeitalter der Entdeckungen".
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Rathaus Turm mit Kugel Sicht vom Friedrich-Ebert-Platz
Wie Walter Holz später berichtete, stellte er sich beim Blick auf das Hagener Rathaus, während eines Ganges durch die Innenstadt, die Frage, wie groß die Planeten wohl maßstäblich seien, wenn die Kugel auf dem Rathausturm die Sonne sei. Ihm fiel auf, dass die architektonische Kugel auf dem Turm schon fast den Maßstab 1:1 Milliarde darstellte, den er nach einigen Überlegungen zum Maßstab eines Modells zum Sonnensystem als besten erachtete. Die Kugel auf dem Turm war knapp einen halben Meter zu groß, weshalb Holz senkrecht unter der Turmkugel im Ratskeller eine dem exakten Maßstab von 1:1 Milliarde entsprechende Kugel für die Sonne installieren ließ. Diese Kugel erhielt einem Durchmesser von 1,39 m und stellt seitdem das Zentrum für das Hagener Planetensystem dar. Sie wurde 1965 anlässlich der Vollendung des Rathaus-Neubaus eingeweiht. Alle Planeten unseres Sonnensystems umkreisen unsere Sonne, und genauso sollten es die künftigen Planeten im Hagener Modell mit der Sonnenkugel im Ratskeller machen.
Im Jahre 1971, passend zum 225-jährigen Jubiläum der Stadt Hagen, wurden die bronzenen Bodenplatten für die neun Planeten entsprechend ihren maßstäblichen Bahnen im Stadtgebiet installiert. Eine solche Bodenplatte ist in der unteren Abbildung gezeigt. Im Planetenmodell ist jede dieser Platten 1 Meter breit. Die erdähnlichen Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars ließen sich hervorragend in das Gebiet der Innenstadt integrieren, die Platten der Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun sowie des letzten Planeten Pluto liegen etwas außerhalb der Innenstadt bis in die Bereiche von Eilpe und Kabel. Wie Johannes Kepler zu Beginn des 17. Jahrhunderts feststellte, sind die wirklichen Planetenbahnen von der Kreisform meist nur leicht abweichende Ellipsen. Walter Holz benutzte für seine Planetenbahnen im Modell keine Ellipsenbahnen, sondern Kreisbahnen, denn Ellipsen ließen sich nur mit Übermäßigem Aufwand ins Stadtgebiet einmessen. Die Kreisbahnen sind sogenannte Mittelkreise der wirklichen Ellipsenbahnen. Das heißt, für den Radius der Kreise nimmt man den (geometrischen) Mittelwert zwischen maximalem und minimalem Abstand zu einem der Brennpunkte. So bleibt der Fehler, den man bei der Näherung gegenüber der Realität macht, relativ gering. Lediglich Merkur und Pluto haben einen etwas größeren Fehler. Eine weitere praktische Näherung musste gemacht werden: in der Wirklichkeit laufen die Planeten nicht streng in einer Ebene um die Sonne, so ist etwa die Bahnebene des Extremfalls Pluto um 17° gegenüber der Erdbahnebene (Ekliptik) geneigt. Klar ist jedoch, dass man für ein solches Planetenmodell näherungsweise annehmen muss, dass alle Planeten in einer Ebene um die Sonne laufen.

Die Bronzeplatte des Saturn
Dennoch, durch beide genannten Approximationen, Kreisbahnen anstatt Ellipsen und alle Planeten in einer Ebene, der Realitätsbezug des Modells wird nicht geschmälert. Ebenfalls im Jahr 1971, allerdings schon vor der Verlegung der Bodenplatten, wurde ein Verein zur Förderung des Planetenmodells gegründet, der Förderkreis Planetenmodell Hagen. Vorsitzender dieser Vereinigung von interessierten Bürgern, Firmen und anderen Organisationen wurde Prof. Dr. Herbert Kersberg. In der Satzung des Förderkreises heißt es: "An der heutigen Schwelle der Raumfahrtzeit will dieses Modell als Prototyp dazu beitragen, welteinheitlich begreifbare Größenvorstellungen über die echten Entfernungen im eigenen Sonnensystem und in kosmischen Bereichen weit darüber hinaus prägen." (Satzung des Förderkreises Hagener Planetenmodell, §1).Wenige Jahre später, im Oktober 1975, wurde im Astro-Center eine Sammelplatte für alle 9 Großplaneten angebracht, die neben den wesentlichen geometrischen Größen wie Durchmesser und Bahndaten auch Angaben zur Rotation der Planeten darstellt.
In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren erlangte das Planetenmodell Hagen großes überregionales Ansehen, da Holz als Berater für ähnliche Modelle in anderen Stätden, wie z. B. Münster und Darmstadt, herangezogen wurde. Durch diese positive Bestätigung seiner Aktivitäten plante Walter Holz sogar den Bau eines Planetariums auf dem Dach des Parkhauses am Volkspark. Ein Vorab-Einverständnis des damaligen Halters hatte Holz schon erhalten. Die Installation der Sammelplatte im Astro-Center war die letzte größere Änderung am Planetenmodell zu den Lebzeiten von Walter K. B. Holz. Nach dem Tode des 85-jährigen wurde dort zu seinen Ehren eine Gedenkplatte installiert. Der Schöpfer des Planetensystems bedauerte zeit seines Lebens, dass der Planetoidengürtel zwischen der Mars- und Jupiterbahn im Planetenmodell nicht repräsentiert wurde. Erst im Mai 1998 - Holz hätte in diesem Monat seinen 90.sten Geburtstag gefeiert - wurde eine Bronzeplatte für die Planetoiden am Volkspark eingeweiht.
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